Archiv für November, 2012

Auf Messen werden von verschiedenen Küchenstudios immer wieder Küchen nach laufendem Meter verkauft. Dabei handelt es sich um eine Mischkalkulation bei der man von einem Hersteller x-Meter Küche kauft und dabei „nach Belieben“ zusammenstellen kann, wie die Küche aussehen soll. Soweit die Theorie, in der Praxis gibt es einige Fallstricke, auf die man achten sollte bzw. derer man sich einfach bewusst sein sollte. Einige davon haben wir leider erst nach der Unterschrift unter den Kaufvertrag entdeckt. Ob eine Küche nach Laufmetern zu kaufen ein Nepp ist, wie immer wieder gesagt wird, kann und will ich an dieser Stelle nicht beurteilen.

Wie wird der Laufmeter berechnet
Für die Berechnung der Laufmeter wird in der Regel meist die Länge der Rückseiten verwendet. Hat man nur eine einfache Küchenzeile mit vier 60cm Schränken (2,4 Metern), dann sind das 2,4 Meter die angerechnet werden.

Hat man allerdings eine Küche über Eck mit einem Eckschrank und jeweils einem 60cm Schrank, dann sind das auch 2,4 Meter, die angerechnet werden. Der Eckschrank schlägt nämlich nicht mit 60cm, sondern mit 120cm zu Buche. Das wird dann wahrscheinlich auch bei den Aufbaukosten pro Meter so berücksichtigt.

Wie wird eine Kochinsel berechnet
Bei einer Kochinsel kommt es immer darauf an, wie sie aufgebaut wird bzw. aus was für Schränken sie sich zusammensetzt. Wählt man eine Kochinsel mit einer Tiefe von 100cm, dann besteht diese in der Regel auf der Vorderseite aus 60cm tiefen Unterschränken, auf der Rückseite aus 40cm tiefen Oberschränken, die einfach an die Rückseite gestellt werden. In diesem Fall wird einer Kochinsel mit einer Breite von 2,4m berechnet. Hier werden die Oberschränke einfach hinten angestellt.

Nimmt man aber eine Kochinsel mit 120cm Tiefe, bei der auf beiden Seiten 60cm Unterschränke eingesetzt werden dann sieht die Sache anders aus. Unterschränke sind in der Regel in der Mischkalkulation anders angesetzt und werden deswegen teurer verkauft. Hier wird die Kochinsel dann wahrscheinlich nicht mit 2,4m, sondern mit 4,8 Laufmeter gerechnet und die Oberschränke werden abgezogen.  Die Kochinsel mit 120cm tiefe wird also teurer als wenn man den Meterpreis ansetzt. Werden allerdings trotz 120cm Tiefe auf der einen Seite 60cm auf der anderen Seite 40cm tiefe Schränke eingesetzt, bleibt der Preis wahrscheinlich bei 2,4m x Laufmeterpreis.

Grifflos ist nicht immer gleich grifflos und meist teurer
Der Laie setzt fehlende Griffe wahrscheinlich mit einer grifflosen Küche gleich. Allerdings sieht der Küchenbauer das anders. Es gibt zum einen Griffleisten, die auf bzw. in die Tür gesetzt werden. Dabei wird technisch gesehen nur die Türe verändert, der Korpus bleibt gleich. Das sind dann die normalen Küchen im Meterpreis.

Zum anderen gibt es die „echten“ grifflosen Küchen. Hier wird die Türe kaum/nicht verändert, aber im Korpus wird eine Griffleiste eingelassen. Dies ist technisch gesehen aufwendiger und wird daher oft mit einem Zuschlag auf den Meterpreis versehen.

Beliebige Zusammenstellung gilt meist nicht für Apotheker-, Innenauszugs- und Karussellschrank
In den Verträgen wird meist die Anzahl der Apothekerschränke und Eckschränke mit Karussell oder tollen Auszugsmechaniken eingeschränkt. Das heißt dann z.B. nur ein Apothekerschrank pro Seite.

Allerdings wird der Apotherkerschrank vom Küchenplaner wahrscheinlich auch mit einem Vorratsschrank mit Innenauszügen gleichgesetzt. Also kann ich bei einer Küchenzeile mit 2,4 m (ausgehend von 60cm Schänken) nicht 1 Apothekerschrank und 3 Hochschränke mit Innenauszügen nehmen, sondern nur einen solchen Schrank. Bei Rest kommen ohne Aufpreis nur Fachböden zum Einsatz.

Bestausstattung ist nicht gleich Bestausstattung
Auch wenn die Küche in Bestausstattung angeboten wird, heißt das nicht, dass alles drin ist. Oft werden Punkte wie Stangengriffe, Besteckschubladen oder Innenausbauten, Müllsysteme, Rolloschränke oder auch Licht ausgeschlossen. Also vorher genau abklären, was in der Bestausstattung wirklich enthalten ist und sich besonderes direkt in den Vertrag schreiben lassen.

Wangen kosten extra
Wer die Küche nicht von Wand zu Wand einbaut, braucht Wangen, damit der Abschluss schön aussieht. Aber Achtung, Wangen sind in den Meterpreisen meist nicht enthalten, sondern zählen als Designelement. Und Wangen lassen sich Hersteller oft recht teuer bezahlen. So kann es durchaus sein, das zwei Wangen einer Kochinsel teurer sind als ein ganzer Laufmeter Küche.

Gezeigtes Arbeitsplattenmaterial, Oberfläche und Ausschnitte sind ggf. aufpreispflichtig
Wenn auf der Messe z.B. verschiedene Granitsorten gezeigt werden und hier vielleicht auch ein Musterstein in Leder- oder Granitoptik dabei ist, sollte man genau nachschauen, ob genau das auch im Vertrag enthalten ist. Sonst heißt es vielleicht hinterher, der ganz dunkle Granit ist ein Nero Assoluto. Der ist aber teuer und nicht im Standard enthalten. Und eine andere Oberfläche als poliert kostet auch extra. Und auch die Materialstärke kann zum Diskussionspunkt werden. Vielleicht darf die Materialstäke maximal 3cm sein und dickere Platten oder breiter wirkende Kanten sind auch extra. Außerdem kann es durchaus sein, dass Ausschnitte für Spülbecken und Kochfelder, Bohrungen und besondere Kantenbearbeitung auch extra kosten. Also vor der Unterschrift klären, ob der gezeigte Stein in der gezeigten Oberfläche im Vertrag enthalten ist und was die Bearbeitung kostet.

Dies sind wahrscheinlich nicht alle Fallstricke, aber einige die uns aufgefallen sind. Ein Teil dieser Punkte hat bei uns für endlose Diskussionen und ungeplante Mehrkosten gesorgt. Ich will hier nicht von Meterpreisen abraten, sondern nur sagen man sollte sich bewusst sein, welche Einschränkungen man dabei möglicherweise eingeht. Es hat aber den Vorteil, dass man recht unbeschwert an die Planung gehen kann und z.B. nicht jedesmal im Hinterkopf hat, kostet der Unterschrank mit Schubladen mehr als der Unterschrank mit Einlegeböden oder sind 3 Schränke mit 100cm billiger als 5 Schränke mit 60cm. Jeder muss es für sich selber entscheiden.

Die erste Küche ist drin

Veröffentlicht: 3. November 2012 in Küche
Schlagwörter:

Inzwischen wurde auch schon die erste Küche geliefert. Wir haben schon vor längerer Zeit unsere Küchen geordert, da ja auch hier – wie bei Autos – die Lieferzeiten länger sind, als man vielleicht erwartet. Wenigstens haben wir keine „Audi-Küche“, auf die wir 8 Monate warten müssen.

Leider sind wir mit dem Raum nicht ganz so weit gewesen, wie gehofft. Der Boden war noch nicht abgeschliffen, die Decken waren wegender fehlender Abluft noch nicht oben und auch die eine oder andere Kleinigkeit hat noch gefehlt. Außerdem war zu dem Zeitpunkt der Bodenaufbau für den Stock drüber noch nicht geklärt. Somit hätte es sein können, dass wir auch einen Schallschutz in die Küchendecke integrieren müssen. Also haben wir erst mal den Ausliefertermin weiter nach hinten schieben können, um einen Teil fertig zu machen. Jetzt fehlt eigentlich nur noch die Decke.

Bei schönem Wetter wurden die Schränke und Granit-Arbeitsplatten nach oben gewuchtet. Hier einige Impressionen der neuen Küche – auch wenn noch nicht alles montiert ist:

     

Inzwischen geht es gefühlt recht schnell voran zumindest was den 1. Stock angeht. Wir haben in gewisser Weise das Haus der zwei Geschwindigkeiten. Im Augenblick liegt der Schwerpunkt auf der Fertigstellung des 1. Stock und im 2. Stock wird weitergemacht,  wo es gerade sinnvoll ist. Um entsprechende Ergebnisse zu erreichen, haben wir zwei Wochen Urlaub und einige Abendschichten genutzt, um mal so richtig ranzuklotzen. Entsprechend spät und müde sind wir immer heimgekommen und ich habe die Updates des Blogs ein wenig vernachlässigt. Das will ich jetzt nachholen.

Es sind viele verschiedene Dinge, die derzeit passieren,  von denen sich manche aber teilweise schwer in Bildern zeigen lassen oder einfach nicht interessant sind. So wurden inzwischen im 1. OG frühere Türöffnungen in verschiedenen Räumen zugemacht und die Wände des Bads fertiggemacht, so dass jetzt der endgültige Grundriss steht. Dieser wurde ja in einem Bereich verändert, um dem neu erstellten Eingang Rechnung zu tragen. Dadurch, dass eine große Türöffnung zugemacht wurde, durch die Licht in den Gang kam, und eine neue Glas-Eingangstür ein paar Meter weiter eingebaut wurde hat sich die Lichtsituation deutlich verändert. Jetzt können wir wirklich einschätzen, wie die Lichtverhältnisse in Zukunft sein werden und wo bzw. wann künstliches Licht benötigt wird. Außerdem wurden fast alle Heizköper im 1. OG angebracht. Im 2. OG sind wir gerade dabei in den noch fehlenden Räumen einen neuen (Roh)Boden aus OSB-Platten zu erstellen. Auf diesem wird jetzt die Unterkonstruktion für die Fußbodenheizung aufgebaut.

Außerdem wurden im ersten Stock auch die Sandsteinplatten ergänzt, bzw. neu verlegt, die früher an anderen Stellen  ausgebaut worden waren. Es ist schön zu sehen, wie die alten Materialien an anderer Stelle eine neue Verwendung finden. Da verstehe ich es nicht, warum teilweise alte Häuser einfach abgerissen werden (auch aus durchaus berichtigten Gründen), ohne dass vorher Dinge ausgebaut oder gerettet werden, die an andere Stelle gebraucht würden oder gar dringend gesucht werden. Wahrscheinlich ist es einfach billiger – weil schneller – alles mit dem Bagger in Container zu werfen und dann zu entsorgen.

  

Inzwischen haben wir auch angefangen in verschiedenen Räumen die Decken mit Gipskartonplatten zu verkleiden. So kann der vorhandene Stuck gesichert werden und je nach Aufbauhöhe auch teilweise „weiterverwendet“ werden. Wir hatten schon geprüft, in wie weit die bisherigen Decken saniert werden können. Allerdings stellt sich das als sehr aufwendig und daher auch teuer heraus, da sich die Verbindung von Gips, Strohmatten und Decke teilweise schon gelöst hat. Dies dauerhaft zu sanieren, ohne dass weitere Risse entstehen ist ein schwieriges Unterfangen. Außerdem müssen für die Verlegung von Kabeln auch Schlitze in die Decke gefräst werden, was zusätzliche Probleme aufwerfen würde. So haben wir uns an den meisten Stellen für einen minimalen Aufbau entschieden, in dem nur Latten als Unterkonstruktion an die Decke und darauf dann die GK-Platten geschraubt werden.

  

Zusätzlich wurde ein Teil des Sandsteingewand, dem Wind und Wetter stark zugesetzt haben, ersetzt. An den angrenzenden Steinen sieht man, was der durchpfeifende Wind angerichtet hat. Unser Steinmetz hat leider keine passenden Steine gefunden. Was aber kaum verwunderlich ist, da er stark vermutet, dass die Steine für unser Haus an Ort und Stelle gewonnen wurde. Z.B. aus unserem Eiskeller.