Entscheidung für KNX und Wiregate

Veröffentlicht: 28. August 2012 in Elektrik
Schlagwörter:, , , , ,

Wir haben länger überlegt, ob wir für unser Projekt ein Bus-System zur Haussteuerung einsetzen sollen. Dabei war die Überlegung, auf KNX (früher EIB) zu setzen und die komplette Haussteuerung darüber zu machen oder nur eine Lichtsteuerung mit DALI oder eine Kombination zu realisieren. Die erste Entscheidung war nur unseren Stock mit einem Bussystem auszustatten und bei der Wohnung im 1. Stock und dem Keller auf ein Bussystem zu verzichten. Dabei haben wir uns einfach die Anforderungen angeschaut und die sind im 1. Stock recht normal. Die Zimmer haben eine normale Größe, Lichtszenen werden dort keine benötigt und auch andere Funktionen sind nicht unbedingt vorhanden. Somit ist der Preisunterschied schon deutlich und wir haben uns hier für den billigeren Weg entschieden.

In unserem Stock sieht die Sache schon wieder anders aus. Wir haben durch den Saal und die Essküche große Räume mit mehreren Zugängen. Zusätzlich ist hier der Einsatz von Dimmern und auch Lichtszenen gewünscht. Bei einer Steuerung über konventionelle Dimmer sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass der Mehrpreis für ein Bus-System nicht mehr so groß ist. Von einer reinen Lichtsteuerung mit DALI wurde uns für diesen Fall abgeraten. Hier kann man unterschiedlicher Meinung sein, aber wir haben uns dazu entschlossen auf KNX zu setzen. Dies bietet uns neben der Lichtsteuerung auch die Möglichkeit die Heizung zu steuern, die seitlichen oberen Fenster im Saal, an die man anders nicht dran kommt, über den Bus anzubinden und darüber zu öffnen und vielleicht später noch Jalousien einzubinden.

Die ganze Materie Hausautomation, KNX und Co. ist ein sehr breites Feld und hat mich schon etliche Stunden an Recherche, Vergleichen und weiterer Recherche gekostet. Aber ich habe festgestellt, es war für mich sinnvoll zu wissen, worum es geht, wenn in der Diskussion mit Elektriker oder Heizungsplaner etwas in die Tiefe ging.

Ich will hier im Blog nach und nach verschieden Punkte zum Thema KNX, Netzwerk etc. aufführen, über die wir gestolpert sind. Als erstes kam vom Heizungsplaner der Diskussionspunkt auf, wie die Regelung der Temperatur gemacht wird. Ob die Temperaturfühler vom Elektriker oder vom Heizungsbauer geliefert werden sollen. In diesem Punkt bin ich in Dirks Blog über das Ruinchen auf einen interessanten Ansatz gestoßen. Statt die teils recht teuren Temperaturfühler für KNX zu verwenden, wurde die Verwendung eines Sensor(sub)netzes mit Hilfe von sogenannten 1-Wire Sensoren und die Weitergabe an KNX mit Hilfe eines Gateways namens Wiregate angeführt. Dirk hat mich dann noch auf das KNX-User-Forum aufmerksam gemacht, bei dem es viel Erfahrung und Austausch zu dem Thema gibt.

Nach einigem Einlesen habe ich nun einen Wiregate samt zwei Dutzend Temperatursensoren zu Hause. Allerdings habe ich auf die „billige“ Variante zurückgegriffen und muss nun an jeden kleinen Sensor 3 Kabel anlöten, die eindeutige Adresse bestimmen und markieren, bevor ich sie später einsetzen kann. Aber bei einem Preis von 2 Euro pro Sensor + Kabel + anteilig die Anschlusskomponente (Busmaster) ist so eine Sensor immer noch verhältnismäßig billig. Da werden wir neben der Raumtemperatur auch die Estrichtemperatur der Fußbodenheizung und auch an zwei oder drei Stellen die Temperatur zwischen Mauerwerk und Innendämmung erfassen. Mal schauen, wie gut die Innendämmung funktioniert.

Wer sich jetzt fragt, wozu man die Estrichtemperatur messen soll, wenn man doch auch die Raumtemperatur kriegt, dem kann ich nur sagen, hab ich auch zuerst nicht verstanden. Aber die Ideen dahinter sind eigentlich recht interessant. Da der Estrich auch Wärme speichert und noch etwas verzögert abgeben kann, ist es möglich die Fußbodenheizung schon runterregeln zu lassen, wenn die gewünschte Raumtemperatur fast erreicht und der Estrich warm ist. Der zweite Punkt ist, dass ich z.B. im Bad einen warmen Boden haben will. Wenn die Raumtemperatur erreicht ist, regelt die Fußbodenheizung ein wenig runter. Durch einen Temperaturfühler im Estrich kann ich aber dafür sorgen, dass der Boden auf jeden Fall eine bestimmte Temperatur hat.

Da die Temperatursensoren nicht sehr groß sind, können sie unauffällig direkt neben (oder vielleicht auch in) einem Rauchmelder versteckt werden. Wenn man dann z.B. den Rauchmelder Dual von Gira verwendet, kann man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Da die Temperatursensonren im Bus vernetzt werden müssen und auch die Rauchmelder vernetzt werden können, kann man mit einem 4x2x0,8 Y(ST)Y Kabel beides auf einmal von Raum zu Raum verbinden. So zumindest mein Kenntnisstand. Wenn ein Rauchmelder losgeht, gehen die anderen vernetzten Rauchmelder auch los. Mit einem zusätzlichen Relais kann auch eine Bus- oder Funkanbindung des Rauchmelders vorgenommen werden. Wir werden vermutlich diesen nehmen, da er auf Rauch und Temperatur prüft und sich auch ohne Zustzamodule vernetzen lässt.

Der oben genannte Wiregate bietet neben der Anbindung eines Sensorsubnetzes auch eine Visualisierung für Bus-Komponenten und ermöglicht so z.B. eine Heizungssteuerung über das Netz. Ich will zwar nicht die Temperatur von Novosibirsk aus steuern (außerdem werde ich glaube ich nie dort sein), aber vom Smartphone, Tablet oder meinem Rechner zu Hause kann ich die Temperatur ändern und kann somit auf teurere Einzelraumsteuerungen in jedem Raum  verzichten. Außerdem bietet der Wiregate auch die Möglichkeit selbst Hand anzulegen und die Steuerung zu erweitern. Ein bisschen Perl vorausgesetzt. Also das ideale für trüber Wintertage.

Advertisements
Kommentare
  1. Dirk sagt:

    Hallo Florian,

    was für Stecker hast Du denn an Deine Sensoren gemacht? Ich habe noch nicht raus, wie ich die ganzen 1-Wire Sensoren anklemmen will, zur Zeit ist es bei mir nur eine „Jugend Forscht“ Verkabelung mit Wagos.

    Sinnvoll ist das WireGate auch, weil man damit günstig eine KNX-Schnittstelle bekommt. Hast Du schon eine ETS4 über eine knx-user-forum Rabattaktion gekauft?

    Viel Spass beim Weitertüfteln – und bitte blog‘ mehr dazu, ich hab das Gefühl Du kommst mit der Elektroplanung schneller voran als wir…

    Dirk mit Ruinchen auf dem Weg der Besserung

    • haydenspass sagt:

      Hallo Dirk,
      auch ich bin noch in gewisser Weise in der Jugend forscht Phase mit gleichzeitiger „Massenproduktion“. Ich hab hier ca. 35 Sensoren, die anschlussfertig gemacht werden wollen. Derzeithabe ich auch die guten Wagos dran und wollte sie damit auch am Bus verkabeln. Mehr oder weniger das Kabel von einem Raum zu nächsten ziehen. Die beiden Enden des Bus-Kabels mit Wagos zusammenmachen und an die Wagos auch die Sensoren hängen. Das war zumindest mein Vorhaben.
      Die ETS4 Aktion war zu dem Zeitpunkt, als ich geschaut habe schon wieder rum. Daher muss ich noch warten – leider. Und da bei uns die Kabel unter die Innendämmung bzw. unter die Fußbodenheizung muss, bleibt mir nicht viel anderes übrig als schnell zu planen. Zumindest die 50 MBit-Anbindung an die Welt da draußen steht schon. Aber bisher nur mit dem guten WLAN-Kabel. Der Rest muss noch aufgelegt werden. Da graut es mir schon vor.
      Viele Grüße
      Florian

  2. Lars sagt:

    Kleiner Tipp am Rande zu Wiregate, nimm eine andere Kabelfarbe als das Buskabel, sonst wirst du irgendwann wahnsinnig! 😉 Einfach bspw. rotes Brandmeldekabel nehmen, gleiche Eigenschaften wie das grüne Eib, aber du blickst im Schaltkasten noch durch. Im Übrigen habe ich nicht durchgeschleift, sondern pro Etage sternförmig verkabelt, bzw als Bus mit Abzweigungen. Macht es ein wenig einfacher. Ich hab mich übrigens für die Temperatursensoren zum Einbau in Berker Sensoreinsatz bzw. Hülse entschieden. So spart man sich den Aufwand mit dem löten.

    Einbau in Holzdielen ist mit Hülse übrigens recht einfach. Im Wandbereich beim verlegen einfach quer zur Diele einbohren (6,5x55mm) und Hülse reinschieben. Schon erhälst du die Bodentemperatur, wenn der Fühler am Wiregate hängt. 😉 Übrigens immer schön die Seriennummern und Ort der fühler aufschreiben. 😉 Sonst wird’s spaßig!

    Ich arbeite übrigens mit der ETS3, funktioniert prima, muss nicht unbedingt die 4er sein.

    • haydenspass sagt:

      Danke für den Tip. Der Wiregate und damit auch die Kabel der Sensorlinien kommen im Netzwerkschrank raus. Bin am überlegen, ob ich die auch entsprechend auf Patchfelder auflegen soll 😉
      Verkabelt wird pro Stockwerk ein Strang. Aber die Sensoranzahl pro Stock ist nahe an der 20-Stück Grenze. Daher muss ich eh mehrere Sensorlinien verwenden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s