Abstimmung mit dem Denkmalschutz

Veröffentlicht: 13. Dezember 2011 in Papier- und Behördenkram
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Die letzten denkmalschutzrelevanten Punkte sind endlich geklärt. Wir hatten in den letzten Wochen zwei sehr konstruktive Gespräche mit dem Vertreter des Regierungspräsidiums. Bei der Dachfarbe haben wir ihm zwei Beispielziegel zur Bemusterung mitgebracht. Einer in Dunkelrot und der andere in Antrazit. Hier hat er uns weitgehend frei Hand gelassen, weil für ihn beides autentisch ist. Wie schon im vorhergehenden Post zu sehen, haben wir diesen Punkt auch schon erfolgreich umgesetzt.
Allerdings hatten wir schwierigere Punkte, wie z.B. die Ausgestaltung eines Großteils der Fenster. Der Glaser hatte uns ein vierflügeliges Musterfenster (im Fachjargon Kreuzstockfenster) gebaut und auch eingebaut. Unser erster Eindruck war nett, aber… Die Glasfläche pro Flügel ist in der Breite jeweils 4cm kleiner als das Original, da die neuen dickeren Zweischeibengläser deutlich schwerer sind und daher nicht so filigran gebaut werden können. Deswegen wirkt das ganze Fenster in meinen Augen klobig und nicht wirklich so schön. Außerdem kann man auch nur einen Fensterflügel kippen. Das kam uns recht wenig vor, wenn man z.B. im Sommer oder nach einer heißen Dusche das Fenster länger gekippt lassen will. Der dritte Punkt ist, dass die Fenster einfach teurer in der Herstellung sind, da sie aufwendiger sind. Wir haben hier eine zweiflügelige Lösung favorisiert. Ein Fensterflügel oben, dazwischen der Kämpfer (der horizontale Querbalken in Kreuzstockfenstern) und unten auch ein Flügel. Der senkrechte Mittelsteg hätte als Aufsatz schäler ausgestaltet werden können, der ganze Flügel hätte gekippt werden können und auch die Herstellung ist billiger. Bei 28 Fenstern fallen 150 – 200€ Unterschied durchaus ins Gewicht.
Nach längerer Diskussion, hat sich der Denkmalschutz bereit erklärt, dass wir auch die Zweiflügellösung einsetzen können, hatte sich aber gewünscht, dass wir nochmals prüfen, ob an der Hausfront nicht die vierflügligen Fenster verbaut werden können. Im Nachgang zu diesem Termin haben Carolin und ich lange mit dem Architekten diskutiert, was sinnvoll und möglich ist. Fazit – eine Teillösung, dass nur an der Front die Aufwendigen Fenster verbaut werden kommt nicht in Frage, weil dann die Eckzimmer von Innen komisch aussehen. Die einen Fenster zweiflüglig, der Griff an der Seite und der Steg schmal, die anderen Fenster vierflüglig, Fenstergriff in der Mitte und der Steg breiter. Lösung 1 also nicht möglich. Lösungsansatz 2 war überall die zweiflügligen Fenster zu verbauen. Für sich genommen einheitlich und auch günstiger, aber… In der Mitte sind im ersten Stock 5 Fenster, um die es sich dreht, und direkt darüber in der gleichen Breite aber andere Höhe sind die Saalfenster. Wenn wir nun die billigeren Fenster verbauen haben diese unterschiedliche Breitenverhältnissen wie die Fenster darüber. Das sähe dann auch komisch aus. Also war das auch keine Lösung.
So bleibt uns nur überall die vierflügligen, teureren Fenster zu verbauen, die zwar einheitlich sind, aber eine kleinere Glasfläche haben. Naja, in 5 Jahren werden wir wahrscheinlich froh sein, diesen Schritt gegangen zu sein.

Der zweite Punkt, an dem sich die Meinungen stark unterschieden, war die Gestaltung der Fassade. Bisher sind Front und Seiten unterschiedliche gestrichen. Die Seiten sind noch original in unbehandeltem Ziegel und Ockerfarbenen Balken. Die Front ist mit weißen Ziegeln und rotbraunen Balken gestrichen. Dies ist eine gewisse Beliebigkeit, die – wie hat der Herr vom Denkmalschutz es ausgedrückt – so wirkt als hätte der Hausmeister irgendwann im Keller die Farben gefunden und verwendet. Hier kann ich ihm auch nicht wirklich widersprechen. Allerdings hat uns zum einen das Farbschema weiße Ziegel mit dunkelroten Balken gefallen und zum anderen hatten wir Angst, dass wenn die Ziegel ziegelfarben gestrichen werden, dass sie dann totgepinselt und platt wirken. Versucht den Ziegel zu imitieren, aber eben nicht gekonnt.
Wir haben uns auch hier wieder in einer längeren Diskussion verständigt, nicht die derzeitige Weiß – Rot – Farbtonkombination zu verwenden, aber zumindest bei dem Farbschema zu bleiben. Schon weiße Ziegel, aber dann in gebrochenem Weiß, das Rot in einem etwas anderen Farbton und dazu dunkelgrüne Fensterläden. Rot würde nicht passen, Grau wäre zwar auch original aber sieht aus, als könnte man sich nicht entscheiden.
Mit diesen Farbinfos haben wir uns dann mit dem Maler zusammengesetzt und versucht die richtigen Farbtöne zu treffen. Parallel dazu hat er uns die Angst genommen, dass die Fassade bei Ziegelfarben hinterher nicht platt aussieht, wenn sie nochmal einen Tag arbeit unvestieren und die Ziegel lasieren. Er hat und dann für den vor Ort Termin einige Muster in Weiß/Rotbraun und Ziegelrot/Ocker an die Wand gemalt, die wir dann mit dem Denkmalschutz vor Ort besprochen haben.
Am Gebäude selbst hat alles nochmals anders gewirkt und wir sind auch hier mit dem Denkmalschutz übereingekommen, dass wir nahe am Original Ziegel und ockerfarbene Balken bleiben. Der Denkmalschutz hat uns hier zwar viel Spielraum gelassen, aber in Diskussionen und vor Ort hat sich doch gezeigt, dass in den Fällen Fenster und Fassade der erste „Entwurf“, der nach dem Original kommt, besser war. Ich bin gespannt, wie alles wirkt, wenn das Gerüst weg ist.

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