Archiv für Juli, 2011

Neues vom Amt

Veröffentlicht: 25. Juli 2011 in Papier- und Behördenkram
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Es gibt sie doch noch, die kleinen positiven Überraschungen, die eine Behörde für einen bereit halten kann. Da unser Haus in einem offiziellen Sanierungsgebiet liegt, hat die Gemeinde ein Mitspracherecht, wenn es z.B. um Kauf, Sanierung oder Eintragung von Grundschulden geht. Für all diese Punkte ist eine Sanierungsgenehmigung notwendig.

Der Hintergrund dafür ist absolut verständlich. Somit soll eine Möglichkeit geschaffen werden, um zu verhindern, dass z.B. ein einzelner Investor alle/viele Gebäude kauft und einer Stadt ein ganz neues Bild gibt oder den Charakter ganzer Viertel verändert. So wurde es mir zumindest erklärt.

Jetzt bin ich als Bürger und Gebührenzahler natürlich davon ausgegangen, dass eine solche Genehmigung wieder mit vielleicht 40€ zu Buche schlägt. Die nette Dame vom Amt sagte mir, dass sie die Genehmigung gerne ausstellt und dann direkt an den Notar schickt. Als ich dann fragte, ob ich gleich bezahlen soll oder sie mir die Rechnung zuschicken kann, kam die Überraschung: „Bei uns ist das kostenlos!“ Klasse, oder? Dass es sowas noch gibt…

Außerdem haben wir vom Tiefbauamt noch einen Brief erhalten, dass in der Straße vor unserem Haus ein Schachtbauwerk für einen Abwassersammler errichtet wird. Da sie hierfür aber die Straße nicht komplett sperren können, wollen sie den Verkehr über unsere Parkplätze an der Baustelle vorbeiführen. Also können wir in der Zeit keine Container stellen oder den Handwerkern Parkplätze bieten, die in dieser Gegend sowieso rar sind. Außerdem wird auch noch unser Gehweg gepflastert. Das ist im Gründe genommen schön, aber es kommt für uns zur falschen Zeit. Das ganze wird im August für mehrere Wochen stattfinden. Also können wir in der Zeit auch kein Gerüst stellen, welches wir eigentlich für die Dachdecker, die Fensterbauer und den Maler benötigt hätten. Mal schauen, ob sich unser Architekt mit seiner Planung damit arrangieren kann.
Auf jeden Fall wird es nie langweilig.

Endlich war es soweit, wir haben so richtig angefangen in unserem Liebhaberobjekt zu werkeln. Nachdem wir uns mit dem Denkmalschutz geeinigt hatten, welche Gefache der Fachwerkwände im 1. OG aufgemacht werden können und welche Mauern im 2. OG fallen, haben wir uns an die Arbeit gemacht. Dort wo nur Gefache geöffnet werden haben wir mit dem Brecheisen sehr einfach den Putz von der Wand heben können, da hier so gut wie keine Verbindung mehr vom Putz zur darunter liegenden Wand bestanden hat. Der Putz ist in großen Platten fast schon von alleine von der Wand gefallen und hat dann entsprechende Staubwolken aufgewirbelt. Danach wurden die intakten Backsteine vorsichtig aus der Wand genommen und aufgehoben, da wir an anderer Stelle Gefache wegen Wasserschäden ausbessern müssen. Warum hier nicht einfach die alten Steine wiederverwenden? Recycling ist in und spart Kosten. Es war zwar etwas aufwendiger als mit dem Vorschlaghammer, aber rohe Gewalt ist nicht immer die sinnvolle Lösung. Schon nach kurzer Zeit konnte man erkennen, wie die drei verbundenen Zimmer deutlich an gefühlter Größe und Licht gewonnen haben, indem wir nur einen Teil der Wand aufgemacht haben.

Hier eine kleine Vorher-Nachher Show, wobei im rechten Bild die Gefache der zweiten Wand noch nicht bis zum gewünschten Maß geöffnet sind.

  

Im 1. OG ging es darum Licht und Platzgefühl in die Zimmer zu kriegen. Im 2. OG gibt es nur zwei Wände, die diesen Umbaumaßnahmen zum Opfer fallen. Sie werden zurückgebaut, um aus den alten Toiletten und einem Teil des Schankraums das neue Bad entstehen zu lassen.

Zuerst habe ich versucht, mit dem Bohrmeißel der Schlagbohrmaschine die Fliesen zu entfernen, um hinterher die Gefache zu öffnen. Allerdings musste ich recht schnell erkennen, dass dieser Plan nicht aufgeht und eine Schlagborhmaschine hier einfach nicht den notwendigen Bums hat. Außerdem macht sie in einem so kleinen Raum einen Höllenlärm, dem man ohne Ohrenschützer (die ich verwendet habe) nicht ausgesetzt sein sollte. Ich habe mich dann recht schnell dazu entschieden, die notwendige Argumentationshilfe in Form eines Vorschlaghammers zu verwenden. Dies ist zwar extrem anstrengend und fordert hinterher eigentlich einen Besuch beim Masseur (den ich nicht hatte), aber man kommt wenigstens recht schnell zu annehmbaren Ergebnissen. Obwohl ich das am Anfang noch bezweifelt habe, als die ersten vier oder fünf Schläge den Fliesen nur ein paar Macken zugefügt haben. Doch mit etwas Übung hatte ich die Technik raus und die Wand fiel dann doch recht schnell.

     

Mit ein paar Helfern haben wir uns dann samstags dran gemacht, den ganzen Schutt auch zu entsorgen. Morgens kam der Container mit den bestellten Schuttrutschen. Doch wie werden diese montiert? Bisher hatten weder Carolin noch ich etwas mit diesen Dingern zu tun, also machten wir uns ans Probieren. Schnell mussten wir erkennen, dass der Zusammenbau im Zimmer und das ganze dann stückchenweise aus dem Fenster zu lassen nicht funktionierte. Also alles wieder reingeholt, nach unten getragen und dort zusammengebaut. Dann haben wir versucht das ganze mit einem Seil bis in den ersten Stock zu ziehen. Das hat auch nicht funktioniert, weil zu schwer. Also mit Smartphone im Internet geschaut, wie das richtig gemacht werden soll – ach so mit Winde und dann immer unten ansetzen. Allerdings haben wir keine Winde. Wir haben uns dann doch für eine Mischung  der Variante mit dem Seil, den vereinten Kräften und dem unten ansetzen entschieden. Die obersten Befestigungsketten haben wir in Ermangelung von Ösen dann einfach an einem langen Balken festgemacht, der quer hinter dem Fenster verkeilt wurde. Mit Improvisation geht bei solchen Projekten vieles einfach besser.

Stolz wie Oskar, dass wir jetzt endlich anfangen können, hab ich locker die ersten drei Schaufeln Schutt die Rutsche runtersausen lassen. Daraufhin bildete sich unten im Container eine riesige Staubwolke und das Geschrei, dass ich aufhören soll. Also eine Plane besorgt, mit der wir den Container so gut wie möglich abgedeckt haben. Aus der Schuttrusche selber ist zwar noch immer Staub rausgekommen, aber das ist eben nicht zu ändern. Ab und zu verstopfte dann auch noch diese Schuttrusche, weil der Schutt sich eben nicht gleichmäßig im Container verteilt. Dann blieb es an mir hängen mit Staubschutz in den Container zu steigen und das ganze wieder gangbar zu machen. So schnell hab ich noch nie graue Haare gekriegt. Das Beste an der Aktion war, dass die vielen Leute, die zu einer großen Verantaltung am Haus vorbei zum Marktplatz gelaufen sind, mich ganz entgeistert angeschaut haben, wie ich da dem staubigen Container entstiegen bin.

Gelohnt hat sich diese Aktion jedenfalls. Jetzt haben wir wieder Platz und wir haben endlich so richtig zulangen können. Allerdings hat der Muskelkater bei Carolin und mir schon am Abend eingesetzt. Das war es trotzdem wert.