Unerwartete Gäste im Winterschlaf

Veröffentlicht: 11. Februar 2011 in Kuriositäten
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Die Überraschungen nehmen wohl kein Ende. Jetzt flatterte uns ein Brief vom Landratsamt ins Haus, in dem uns mitgeteilt wurde, dass wir für den Winter nicht-zahlende Untermieter haben, denen wir auch nicht kündigen können oder dürfen. Zugegeben, es stand nicht so drin, sondern so:

„Es wurden in den Kellerräumen, die an mindestens zwei Stellen durch hohe Kamine Anschluss nach außen haben, Fledermäuse entdeckt, die dort ihren Winterschlaf abhalten. Insgesamt scheint der Keller aufgrund guter Luftzirkulation als Winterquartier für Fledermäuse seh gut geeignet zu sein. Fledermäuse unterliegen nach §44 Bundesnaturschutzgesetz einem besonderen Schutz. So ist es verboten, Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.“

Urheber GeForce3 bei en.wikipedia

Also habe ich beim Landratsamt angerufen um erst mal mehr zu erfahren. Als wir noch vor kurzem zum ersten mal die Keller und Felsenkeller in geräumten Zustand angeschaut haben, war uns nichts dergleichen aufgefallen. Anscheinend haben aber ein ganze Reihe von Mausohren unseren Felsenkeller als idealen Standort für ihren Winterschlaf angesehen und sich dort niedergelassen. Daufhin habe ich mal ein bisschen gegoogelt und habe zum Thema Fledermäuse und Winterschlaf folgendes herausgefunden:

Die ersten Mausohren beziehen schon ab Ende Oktober ihre Winterquartiere. Dafür bevorzugen sie natürliche Höhlen und alte ungenutzte Bergwerkstollen, besonders wenn sie frostsicher sind (bevorzugt zwischen +6 und +8 Grad Celsius) und dort eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Bei derartigen Bedingungen hängen die schlafenden Tiere gerne frei an den Wänden und der  Quartierdecke. Bei uns über eine Reihe von alten Fässern. In kühleren und zugigen Quartieren ziehen sie sich jedoch in schützende Mauer- und Gesteinsspalten zurück.

Da unser Felsenkeller über mindestens einen Kamin ins Freie verfügt, konnten die Fledermäuse problemlos einfliegen und es sich bequem machen, sofern man kopfüber an der Decke hängend als bequem bezeichnen kann. In den Spalten zwischen Haus und Fels plätschert Schmelz- und Regenwasser oder tropft von der Decke, sammelt sich auf dem Boden und wird von dort ins Freie abgeleitet. Damit ist die Luftfeuchtigkeit entsprechend hoch und auch die Qualität der Luft entsprechend gut.

Die meisten „unserer“ Mausohren wurden jedoch von den Räumungsaktivitäten aufgeweckt und haben sich entweder andere Plätze gesucht oder haben sich in Spalten im Felsenkeller zurückgezogen. Im Augenblick hängt anscheinend nur noch ein einzelnes Mausohr über den alten Fässern an der Felsendecke. Mit dieser Aussage habe ich mich leise mit einer sehr funzeligen Taschenlampe auf die Suche gemacht, denn wenn die vom Landratsamt sogar sagen können, um was für eine Art es sich handelt, dann kann ich zumindest auf die Entfernung mal schauen, ob sie noch da sind. Und tatsächlich, eine Fledermaus hing dort noch an der Decke, also ist der Zugang zum Felsenkeller ab jetzt erst mal gesperrt.

Ein vor Ort Termin mit dem Naturschutz und Landratsamt wird klären, welche Schritte möglich sind, um das Winterquartier für die Fledermäuse auch im nächsten Winter zu erhalten. Bisher sind wir nicht auf den Felsenkeller angewiesen, aber vielleicht finden wir ja eine Möglichkeit diesen sehr standorttreuen und interessanten Wesen ein Plätzchen für den Winter anbieten und ihn gleichzeitig trotzdem nutzen zu können. Und wer kann schon sagen, wir haben Fledermäuse als Wintergäste?

Durch solche Umstände wird man plötzlich auf Dinge aufmerksam, an die man vorher gar nicht gedacht hat. So habe ich jetzt gelernt, dass die Fledemäuse sehr viele Mücken, Käfer und andere Insekten vertilgen, also ist das doch nur angebracht, ihnen die richtigen Rahmenbedingungen zu bieten. Ich bin schon am überlegen, ob wir nicht auch nachtduftende Pflanzen anpflanzen, um z.B. Nachtfalter anzulocken. Damit bieten wir den Fledermäusen einen gedeckten Tisch – falls sie im Sommer in der Nähe sind. Schön wäre es.

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