Böses Erwachen beim Denkmalschutz

Veröffentlicht: 9. Februar 2011 in Papier- und Behördenkram
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Bisher sind wir immer davon ausgegangen, das auf dem Haus kein Denkmalschutz ist. Das hat uns zwar aus mehreren Gründen gewundert, aber der Makler hat ganz explizit damit geworben, dass auf dem Haus kein Denkmalschutz sei.
Allein das imposante Aussehen des Gebäudes hätte es verdient. Und als in einem Zeitungsartikel das Ende einer 100-jährigen Tradition zusammen mit früheren prominenten Gästen verkündet wurde, hätte man sich wundern können. Aber wir haben auf den Makler vertraut, dass er sicher alles geprüft hat. Leider stellte sich am Wochenende heraus, dass das Vertrauen in diesem Fall gravierende Folgen haben sollte.
In den Unterlagen zur Sanierung, die wir von der Stadt erhalten haben, war plötzlich ein Bezug auf Paragraf 2 Denkmalschutzgesetz drin. Also habe ich erst mal versucht Licht ins Dunkel zu bringen und Erkundigungen eingeholt bzw. einholen lassen.
Das Ergebnis war, dass seit 1991 bereits Denkmalschutz besteht. Sowohl der Makler, als auch unser Ansprechpartner bei den bisherigen Besitzern (eine Erbengemeinschaft) und auch wir sind aus allen Wolken gefallen.
Die Begründung für den Denkmalschutz liest sich ja schon interessant:

Die beiden Gebäude, Brauerei und Wirtschaftsgebäude, wurden 1870-74 vor den Sandsteinwänden wohl nach den Plänen des Werkmeisters Werner errichtet. Die Situation erlaubte den Bau von Felsenkellern, die das Lagern des gebrauten Biers ermöglichten. Beide Gebäude stehen auf überhohen massiven Sockelgeschossen aus Sandsteinquadern, auf die mit Ziegelmauerwerk ausgemauerte Fachwerkgeschosse aufgesetzt sind.

Auf dem Wirtschaftsgebäude ist auf dem Schlußstein der mittleren Toreinfahrt 1870 datiert, während die Brauerei nach einer Hausinschrift 1874 entstanden ist.

Das Wirtschaftsgebäude ist ein traufständiger Bau mit flachem Satteldach, der von dem breiten höheren Mittelrisalit mit Satteldach beherrscht wird. Der Mittelteil wird auch durch ein Fenster mit Giebelanschluss betont, der Balkon im 1. Obergeschoß ist leider nicht mehr vorhanden. Im Erdgeschoss waren Pferdestall und Remise untergebracht. Die Innenstruktur des Gebäudes ist erhalten. Im 1. Obergeschoß sind Wohnungen untergebracht, die ursprünglichen Türen sind erhalten, ebenso die Steinplatten auf den Fluren. Im 2. Obergeschoß ist der große Wirtshaussaal untergebracht, in dem früher Theateraufführungen stattfanden.

Die repräsentativen Gebäude integrieren die heimische Fachwerkbauweise in eine spätklassizistische Formensprache. Sie prägen den südlichen Teil der Straße entscheidend.

Die Erhaltung der beiden Gebäude mit den Kellern liegt im öffentlichen Interesse aus heimatgeschichtlichen und wissenschaftlichen Gründen, insbesondere wegen des dokumentarischen Werts für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte  der Stadt im 19. Jahrhundert, aber auch die Baugeschichte von Wirtschaftsbauten, die in diesem Fall in den Baudetails sehr gut erhalten sind.

Aber jetzt müssen wir erst mal sehen, was es für uns bedeutet. Je nachdem, welche Auflagen wir bekommen, macht es vielleicht gar keinen Sinn mehr, das Projekt weiter zu verfolgen.
Wir wollen zwar nicht das komplette Gebäude umbauen und alles verändern, aber es soll schon Veränderungen am Grundriss geben. Veränderungen, die sehr wichtig sind, damit das Projekt für uns funktioniert. Auch könnte es uns passieren, dass Teile der Einrichtung erhalten bleiben müssen. Das würde entgegen unsere Vorstellung zum Thema Inneneinrichtung sein. Außerdem ist es jetzt durchaus möglich, dass sich die geschätzten Kosten erhöhen. Das ist, wenn man klare Budgetgrenzen hat, durchaus ein Problem. Jetzt müssen wir auf einen vor Ort Termin mit dem Denkmalschutz warten, um dann zu sehen, wie und ob es weitergeht. Vielleicht ist es ja schon zu Ende, bevor es angefangen hat.

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Kommentare
  1. Cori sagt:

    Hallo ihr 2!

    Das hört sich ja schon ziemlich düster an. Drücke euch die Daumen, dass es doch noch so klappt, wie ihr euch das vorstellt.

    Lg, Cori

  2. Florian sagt:

    Hallo,
    danke fürs Daumen drücken. Das Ausmaß des Denkmalschutzes ist wahrscheinlich auch bis zu einem gewissen Punkt Verhandlungssache. Wenn so viel gefordert wird, dass wir es nicht leisten können, stirbt das Projekt für uns. Dann stellt sich die Frage ob und wann sie jemanden finden, der das leistet. Daher lieber der Spatz in der Hand… Ich hoffe die sehen das auch so.
    Lg Florian

    • cori sagt:

      ja, hab auch schon gehört, dass das ein wenig ermessenssache vom zuständigen sachbearbeiter ist. pokert mal schön, denn ich denke auch, dass die da so schnell niemand finden, der das nach „deren maßstäben“ saniert. und wenn es statt dessen zerfällt, hat ja die gemeinde auch nix mehr von ihrem schönen, erhaltenswerten haus.

      bin gespannt, wies weiter geht.
      lg, cori

      • Mik sagt:

        Hallo

        Glückwunsch zum Kauf und ganz besonders dazu dass Euch die Gemeinde frühzeitig (im Gegensatz zu den anderen Beteiligten) über die eigentlichen Werte informierte.
        Denkmalschutz ist kein böses Erwachen, ganz im Gegenteil. Das öffnet die Augen für die schützenswerte Gesamtheit und viele historisch wertvolle Details die man mit dem „modernen“ Auge zuerst ignoriert.
        Würde Euch übrigens unbedingt Kontakt zur IG Bauernhaus empfehlen, auch wenn es kein Bauernhaus ist. Da gibt es extrem viel Fachwissen und Expertise. Leider momentan aber noch zu wenig hier in BaWü.

        Nochmals Glückwunsch und viel Spaß mit der solide aussehenden Immobilie die mir auch vom Interieur her einen sehr schützenswerten Eindruck macht!

        Gruß

        Mik

      • haydenspass sagt:

        Danke für die Glückwünsche. Ich halte den Denkmalschutz an sich für richtig. Allerdings wurde in diesem Fall das Haus vom Makler explizit damit beworben, dass kein Denkmalschutz besteht. Das war für uns das böse Erwachen, dass doch Denkmalschutz besteht.
        Für außen ist das kein Thema, aber abhängig von den Auflagen für innen, wirft das unsere bisherigen Planungen und Vorstellungen der Innenausstattung über den Haufen. Außerdem steigen dadurch wahrscheinlich die Kosten gegenüber der bisherigen Planung.
        Aber wenigstens ist die Substanz sehr gut und auch die Aufteilung der Zimmer passt sehr gut für uns.
        Grüße Florian

  3. Dirk sagt:

    Hallo Florian,

    wie im Fachwerk.de-Forum schon geschrieben: Die Denkmalschützer können Euch auch helfen! Ich drücke Euch jedenfalls ganz fest die Daumen!

    Viele Grüße von den Ruinchen-Sanierern…

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